1.9 Geheimtipps in und um Bukarest

Aktualisiert: 18. Sept.

Auf unseren vierten und hoffentlich letzten Garagentermin haben wir nun seit fast einer Woche gewartet. Das Warten am Schwarzen Meer war zwar alles andere als unangenehm oder langweilig und dennoch, heute geht es nun weiter. Nach zehn fantastischen Tagen am Meer treten wir heute rein geographisch gesehen die Rückreise an. Zurück Richtung Nordwest, zurück via Ungarn, Österreich in die Schweiz.


Neben dem Reparaturtermin in der Mercedes Garage wollen wir unseren FRAME auch noch vom Salz und Sand befreien. Zudem natürlich das obligate Wassertanken und Lebensmitteleinkauf. Diesmal wählen wir die Route, die uns mehr oder weniger um Constanţa herumführt. Beim Herfahren liessen wir es uns ja nicht nehmen quer durch Mamaia, die Copacabana Rumäniens zu kutschieren. Mamaia ist gesäumt von grossen Hotelkästen in der zwei, drei- und vier-Sterne Kategorie. Nicht zuletzt wegen des ähnlich klingenden Namens erinnert mich diese Lagunenstrasse an die Miami Beach Road, nur eben ganz ohne den Luxus. Halt Rumänisch statt Amerikanisch. Unsere Karosse bewirkte da besonders viele Kopfdreher und immer wieder mal ein Daumenhoch. FRAME ist zwar kein schnittiges Cabrio, aber unser Motorenlärm kann sich mit den frisierten und getunten Sportwagen durchaus messen.


A/C Reparatur(versuch) in Constanta

Mit Schweizer Pünktlichkeit treffen wir um elf Uhr zum Termin ein. Überall stehen Menschen wartend vor den grossen Werkstatttoren. Ich stelle mich gedanklich schon mal auf eine Geduldsprobe ein und bin freudig überrascht, wie mich der Rezeptionist gleich durchs letzte noch leer stehende Tor bittet. Da steht er nun also, unser Dicker. Inmitten von Sattelschleppern und Baustellenfahrzeugen. Aber irgendwie halt doch etwas sexier mit den hohen Beinen und den fetten Reifen. Auf jeden Fall spricht sich unser Fahrzeug schnell herum und sowohl die Mitarbeiter, wie auch die wartenden Kunden lassen sich zu Selfies vor unserem Fahrzeug hinreissen. Natürlich freut uns das immer wieder und bestätigt uns auch, dass wir beim Fahrzeugdesign alles richtig gemacht haben. Aber trotzdem stehen wir heute hier in der Garage, wo wir eigentlich lieber nicht stehen würden. Nach dem Schnellstart des Boxenbezuges und einer ersten Analyse dann der erste Dämpfer. Es handelt sich um ein elektrisches Problem mit der Klimaanlage und der Elektriker ist zur Zeit gerade irgendwelche 200 Kilometer weit weg. Zudem muss der Chef Mechaniker über Mittag seine Frau im Spital abholen. Um die nun doch auferlegte Wartezeit zu nutzen, gehen wir in der Zwischenzeit schon mal shoppen und mit FRAME in den Waschsalon. Zurück in der Werkstatt bangen wir vorerst einmal ums gute Gelingen der Reparatur, denn die Mechaniker machen nicht wirklich Fortschritte. Schliesslich der Durchbruch. Endlich strömt kalte Luft durch die Klappen. Wie sie das denn nun gemacht hätten, frage ich. Keine Antwort. Schliesslich stellt sich heraus, dass die ein kleines schwarzes Kästchen, dessen Nutzen keiner kennt, vom System abgehängt haben und siehe da, dann funktioniert es. Irgendwie macht mich diese Lösung nicht ganz glücklich. Das schwarze Ding wird ja wohl einen Nutzen haben. Nur weil die Herren Mechaniker diesen nicht erkennen, heisst ja nicht, dass man es einfach abhängen kann. Wir stehen vor der Wahl, mit Klima oder dem ominösen Kästchen weiterzufahren. Und ja natürlich, wir entscheiden uns für die Klimaanlage. Der Fahrzeugbauer in Deutschland meldet sich leider heute nicht zurück, um das Rätsel der black box zu lüften. Zudem ist es schon bald Abend und wir haben mindestens noch eine Stunde Strecke vor uns. Im Dunkeln zu fahren ist und bleibt ein No-Go. Das wollen wir nur im äussersten Notfall tun und den haben wir heute ja nun wirklich nicht.



Bei der Tanke werden dem FRAME nochmals tüchtig Flüssigkeiten (Diesel und Wasser) einverleibt und schon sind wir wieder auf der Sunshine Autobahn Richtung Donau. Der Einfachheit halber hätten wir den gleichen Übernachtungsplatz wie auf der Hinfahrt wählen können. Der war schliesslich ganz idyllisch, aber eben auch ein wenig lärmig. So entscheiden wir uns für das gegenüberliegende Donauufer und somit biegen wir erst nach der zahlbaren Autobahnbrücke von Fetesti für zirka 10 Kilometer links weg. Die Entscheidung war goldrichtig. Wir gelangen an einen unserer schönsten Stellplätze unserer Reise. Direkt an der Donau, uneingesehen und weit weg von kläffenden Hunden. Die einzige Enttäuschung ist die Tatsache, dass bei Ankunft unsere Klimaanlage bereits wieder nicht mehr funktionierte. Nach etwa einer Stunde Betrieb, kommt allmählich nur noch ein schaler warmer Hauch aus den Armaturen. Auch beim vierten Anlauf nur Frust statt Frost.



Morgenstimmung an der Donau bei Fetesti

Am folgenden Tag ist nun Bukarest in Reichweite. Nur zirka 200 Kilometer trennen uns noch von der Hauptstadt und fast ausschliesslich Autobahn, also entspanntes Fahren. Unser Tagesziel ist aber trotzdem nicht Bukarest. Noch nicht. Denn wir werden heute von Adrian, meinem damaligen Vizedirketor im Radisson Blu / Park Inn Cluster und zwei weiteren ehemaligen Mitarbeitern von mir im Singureni Manor erwartet. Ein echter Geheimtipp, selbst für Einheimische. Singureni liegt zirka eine Autostunde im Südwesten der Hauptstadt und ist mit einer Fläche von geschätzten fünf Kilometer Durchmesser ein imposantes Wild- und Pferde Retreat. Die Zahlreichen Hochsitze zeugen noch von seiner ursprünglichen Nutzung als Jagdreservat. Heute beherbergt Singureni Manor unter anderem ein paar hundert frei laufende Rehe und Hirsche, zahlreiche Wildvögel und über hundert zum Teil preisgekrönte Araber- und auch ein paar Haflingerpferde.


Geheimtipp No. 1: Singureni Manor Pferde Retreat

Nach der kontrollierten Einfahrt durchs Haupttor zum Grundstück fahren wir erst einmal drei Kilometer durch märchenhaften Wald, wo uns Rehe und Hirsche zuhauf über den Weg laufen. Adrian, Dragos und Ionuts erwarten uns beim Haupthaus und den Stallungen von Singureni und lassen uns gleich freie Standortwahl für das Übernachten im FRAME. Unmittelbar hinter den flachen Gebäuden stellen wir uns auf eine riesige Lichtung mit direktem Blick auf mehrere Dutzend weidendes Wild. Was für ein einmaliger Übernachtungsplatz. Ein riesiges Privileg für uns und vielleicht eine künftige Geschäftsidee für Adrian?


Der Abend gehört nun aber den Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Bei einem Bier umgeben von jungen Bäumen geniessen wir das Wiedersehen und freuen uns, dass wir alle doch kaum gealtert haben ;-)


mit den Fatis am Singureni Stellplatz

Am kommenden morgen gehen wir dann zuerst einmal auf Entdeckungstour auf unseren Fatbikes. Ohne GPS könnte man sich in den Wäldern von Singureni glatt verfahren. Unheimlich gross und facettenreich sind die Baumbestände hier. Wildtiere vor die Linse zu bekommen, ist ohne die nötige Geduld auf der Lauer zu verharren aber nicht wirklich einfach. Gesehen haben wir in den zwei Tagen vermutlich fast schon eine dreistellige Anzahl. Gefilmt oder fotografiert aber leider gar nichts. Das müsst ihr uns nun einfach glauben…


Nach einem köstlichen Mittagessen mit dem Hausherrn fahren wir schliesslich mit dem XXL Golfcart zur offiziellen Estate Besichtigung. Insbesondere die Paul's Lodge mit ihren 13 individuell und äusserst geschmackvoll ausgestatteten Zimmern ist ein Bijou der Sonderklasse. Rumänien ist an und für sich nicht bekannt für Luxus, sondern zeichnet sich eher aus durch gut und günstig. Die Pauls Lodge beweist aber, dass Rumänien durchaus auch Luxus zu bieten hat. Und auch der kommt in Singureni im Vergleich äusserst preiswert. Für den Preis einer einzigen Suite in einem Luxushotel irgendwo in Europa, bekommt man hier eine private Lodge mit 13 fantastischen Zimmer, eigenem indoor Pool und SPA, luxuriösem Aufenthalts, Wohn- und Essbereich, sowie auch eine Rooftop Terrasse mit Blick über das ganze Anwesen. Einfach unglaublich!




Nach der samstäglichen Pferdeshow mit den schönsten und elegantesten Araberpferden des Guts ist es für uns schon wieder Zeit aufzubrechen. Wir wagen uns mit unserem Gefährt in die Grossstadt Bukarest. Ganz ehrlich gesagt haben wir sozusagen Heimvorteil, denn wir haben beide in dieser Stadt gelernt, LKW zu fahren. Nicht aus Langeweile, sondern aus rein opportunistischen Gründen haben wir unter sprachlich erschwerten Umständen im Sommer 2018 hier unseren C Führerschein gemacht.

Aus dem Archiv: Bukarest 2018 am LKW Prüfungstag

Wer glaubt, dass dies in Rumänien einfacher geht, der stelle sich einfach mal vor, bei der Fahrstunde einen Dolmetscher auf dem Mittelsitz haben zu müssen, den chaotischen Grossstadtverkehr zum Teil bei Schnee und Matsch im 12 Tonnen LKW zu meistern und dies in einem Oldtimer Lastwagen, bei dem auch der Fahrlehrer ab und zu zwei Hände benötigt, um in den fünften Gang zu wechseln. Unsere Fahrstunden waren alles andere als einfach, aber umso abenteuerlicher.

Wir steuern den offenen Parkplatz des Marriott Hotels an. Beim Radisson im Zentrum haben wir keine Chance einen genügend grossen Parkplatz zu finden. Wer Bukarest kennt, weiss, dass hier auf zwei Parkplätze mindestens drei Autos kommen. Es wird überall geparkt, wo es gerade noch eine Handbreite Platz hat. Der Marriott Parkplatz ist zwar auch auf dreieinhalb Tonnen beschränkt, mit einer Spezialerlaubnis des Hotelbesitzers wird es uns aber trotzdem möglich. Wir sind da mitten in der Stadt, sicher und unglaublich ruhig gelegen.


Mitten in der Stadt hinter dem Marriott Bukarest

Geheimtipp No.2: Sushi @ Ginger im Radisson Blu

Am Abend treffen wir uns mit alten Freunden und Bekannten im Radisson auf ein paar Drinks und Sushi Dinner. Es ist immer wunderschön an einen ehemaligen Arbeitsort zurückzukehren. Auch wenn durch Corona das Team merklich geändert hat, sehe ich an allen Ecken immer wieder ein bekanntes Gesicht. Der Empfang ist wie üblich herzlich und der Service top. Das Ginger Restaurant hat nach der Krise seinen ursprünglichen Sushi Chef wieder zurück bekommen können. Was für ein Gewinn für's Restaurant und das Hotel. Für uns der Geheimtipp Nummer zwei in Bukarest. Best Sushi in Town aus den Händen von Sushi Künstler Phursang Lama und seinem kleinen Team aus Nepal.



Es ist zum Glück Sonntag und wir können unbehelligt durch die Stadt fahren, ohne auch nur ein einziges Mal angehalten zu werden. Unsere Route führt uns vom Regierungspalast über den Arc de Triumph hinauf in den kommerzielleren Norden. Unser Stopp in Baneasa müssen wir wegen einer Flugshow Veranstaltung kurzfristig umplanen. Da ist schlicht und einfach kein Platz mehr für uns inmitten der tausenden von Zuschauern rund um den Flughafen. Wir fahren kurzerhand weiter zu unserem Abendessen Rendez-Vous im Geheimtipp Nummer drei.


Geheimtipp No. 3: Snagov Club nördlich von Bukarest

Der Snagov Club gehört schon seit geraumer Zeit zu unseren Favoriten für ein Wochenend Escape aus der Grossstadt. Was für hunderte von Hochzeitspaaren pro Jahr als Traumort gilt, wirkt auch auf uns äusserst romantisch und erholsam. Wir sind nun etwa 30 Kilometer ausserhalb Bukarest und das Grossstadtgewimmel ist schon längst der Landwirtschaftsidylle gewichen. Snagov ist neben der Ortsbezeichnung auch der Name eines kleinen Sees, wo auch Ruderer gerne ihre Kräfte messen. Umgeben von dichten Wäldern wirkt er wie eine Sauerstoff Oase. Wir geniessen auch hier die enorme Gastfreundschaft des Hoteldirektors, der mit seiner bezaubernden jungen Familie an diesem Sonntag auf ein Abendessen extra hergekommen ist.


Die Sauerstoff Oase am Snagov See

Ein letzter Besuch eines Freundes steht uns nun noch bevor, ehe wir uns aus Rumänien wieder langsam verabschieden werden. In der echten (gemäss Saga) Dracula-Schloss Stadt von Bran sind wir in ein paar Tagen mit unseren lieben und hochgeschätzten Jakob und Crenguţa verabredet. Die beiden Gastronomen kamen uns zum runden Geburtstag von Brigitte und der Vorstellung von FRAME sogar in der Schweiz besuchen. Das und vieles mehr rechnen wir den beiden hoch an und daher darf auch ein abschliessender Besuch in Bran nicht fehlen. Bis dahin haben wir aber noch drei Tage Zeit, also schlagen wir uns vorerst nochmals in die Berge, denn wir haben bis heute noch immer keine Bären gesehen. Alle sprechen von den vielen Bären in den Karpaten, also versuchen wir unser letztes Glück oberhalb des Rausor Stausees, nördlich von Campulung.

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