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DER TAG ZERO

Aktualisiert: 1. Apr.

Seit neun Jahren sind wir von der Idee besessen, einmal mit einem geländegängigen Expeditionsfahrzeug die Welt zu erkunden. Wir träumen davon, Orte zu erreichen und “Fremdes” zu entdecken, das den normalen Touristen vorenthalten ist. Neun Jahre ist es also her, als wir es zu unserem Ziel gesetzt haben, den vielen lieben Menschen, denen wir in unseren inzwischen über zwanzig Jahren als Auslandschweizer begegneten, endlich einmal etwas zurückzugeben. Und seit über drei Jahren arbeiten wir mit Profis an der Konzeption und Bau eines Zuhause auf Rädern, das wir heute auf den ersten Blick banal FRAME nennen, aber die Namensgebung von FRAME, das ist eine Geschichte für sich.


Heute ist also Tag Zero. Der Tag, an dem wir unseren FRAME nun endlich unser eigen nennen können. Der Tag, an dem wir von der Schweiz nach Köln fahren, um unser Expeditionsmobil vom Aufbauer der Wohnbox zu übernehmen. Es ist Aschermittwoch und typischerweise nicht ein Tag, um nach Köln zu reisen, denn Aschermittwoch ist das jähe Ende des Kölner Karnevals. Wir rechnen also mit etwas “Gegenverkehr”. Da wir aber heute, vielleicht zum letzten mal, mit dem Zug anreisen, spielt der Verkehr eh keine grosse Rolle.


Orangework ist ein Spezialist für Expeditionsfahrzeuge und Reisemobile und das Ziel unserer heutigen Reise. Wir wollen unbedingt vor Dunkelheit eintreffen, denn wir sind ja schon so gespannt, wie unser FRAME nun fertiggestellt ausschaut. Wir haben “ihn” - ja FRAME ist männlich, da ein UNIMOG - zwar erst noch Ende Januar bei einer letzten Steppvisite gesehen, aber da hat ja doch noch so einiges gefehlt. Heute nun ja hoffentlich nicht mehr.


FRAME abholbereit bei Orangework

Gegen 17Uhr ist es dann soweit. In der sanften Abendsonne strahlt unser FRAMELEIN uns entgegen. Wobei die Verniedlichung dem doch eher mächtigen Expeditionsfahrzeug nicht wirklich gerecht wird. Mit gut sieben Meter Länge, zwei Meter 30 Breite und stolzen drei Meter 45 Höhe präsentiert der Achttonner doch ganz eindrücklich. Heute leuchtet uns unser Fahrzeug in einem dezenten graublau entgegen, aber mit poppigen gelbgrünen Felgen. Gelbgrün ist unsere Corporate Color. Daher haben wir im Aufbau immer wieder darauf geachtet, etwas gelbgrüne Akzente zu setzen. Die Hutchinson Felgen, sind sicher die auffälligsten dieser Akzente und lassen auch im entferntesten Ausland keine Zweifel aufkommen, dass unser Dickschiff keine militärische Bedrohung darstellen kann.


Letzte Abschlussarbeiten am Wohnaufbau

Der Unimog 1550L/37, so die genaue Bezeichnung des Chassis unseres Weltreisefahrzeuges, war während über zwanzig Jahren ein knallrotes französisches Feuerwehrauto. Neben der Geburtsstätte der Unimogs in den Mercedes Benz Werken in Wörth am Rhein, zählt nun also auch Bordeaux und somit die Atlantikküste mindestens zu seiner zweiten Heimat. Aber schon bald wird er in der Schweiz eingebürgert werden und hat somit, wie wir, bewegte Jahre hinter sich. Was er aber alles noch vor sich hat, kann er sich wahrscheinlich noch nicht wirklich erträumen ;-).




KOMPROMISSLOS


Bei der Konzeption unseres Abenteuerfahrzeuges gab es unzählige Entscheidungen zu treffen. Immer war es eine Abwägung, was einem denn wichtiger erscheint. Mal ganz angefangen bei der Grösse des Fahrzeuges: Zu beginn haben wir uns «normale» Geländewagen, wie zum Beispiel einen G-Klasse Mercedes oder Landcruiser angeschaut. Schnell wurde uns aber klar, dass für Langzeitreisen doch etwas mehr Komfort gewünscht ist. Als wir eines Tages an der grössten Overlander Messe der Welt, der «Abenteuer Allrad» in Bad Kissingen, grosse Ungestüme, wie den MAN mit einer sechs Meter fünfzig langen Wohnbox gesehen haben, träumten wir schon bald vom fast uneingeschränkten Luxus auf Rädern. Aber die Vernunft hat uns zum Glück schon bald wieder eingeholt, denn die Nachteile, die ein zwölf Tonner mit fast neun Metern Gesamtlänge so mit sich bringt, waren es uns nicht Wert. Der Unimog war der perfekte Kompromiss zwischen vernünftiger Grösse und trotzdem ausreichend Komfort für Langzeitreisen. Zusätzlich erfüllte er ein anderes wichtiges Kriterium für uns. Der Unimog ist unbestritten der geländegängigste Truck, den man sich wünschen kann. Als Spross der Mercedes Benz steht ihm zudem das weltweit beste Servicenetz zur Verfügung. Für unsere Art zu Reisen und um wirklich an Orte zu gelangen, wo sonst noch keiner hingekommen ist, war und ist er für uns die beste Wahl.


Sorgfältige Einführung in die Technik der Wohnkabine

Es gab da aber noch zwei weitere Kriterien, wo wir keine Kompromisse eingehen wollten. Sogenannte Non-negotiables auf unserer langen Liste von Design und Ausrüstungs-Features. Zum einen ist dies die Sicherheit, mit allem was dazu gehört. Von einbruchssicheren KCT Qualitätsfenstern, Schliesssystemen und weiteren sicherheitsrelevanten Vorkehrungen, über die wir hier – aus Sicherheitsgründen – nicht sprechen werden.


Zum anderen ist dies der Schlafkomfort, mithilfe eines angemessen grossen und komfortablen Bett. Viele Overlander sind mit einem Doppelbett von 1m20 oder 1m40 zufrieden. Bei uns musste dies mindestens 1m60 sein, auch wenn wir mit einem Aufbau von maximal etwas über vier Metern nicht üppig Platz dafür hatten. Ein cleveres Layout mit einer Bettverschmälerung im Beinbereich machte uns aber auch diesen Wunsch möglich.

Abenteuer sind anstrengend und das Leben auf weniger als zehn Quadratmetern ist es sowieso. Wenn man vielleicht nach einer schmalen steil abfallenden Passstrasse, einer gefährlichen Flussdurchfahrt oder dem Traversieren einer für unbezwingbar eingestuften Wüste abends todmüde ins Bett fällt, dann ist ein guter, gesunder Schlaf unumgänglich, um am nächsten Tag für eine weitere ereignisreiche Etappe wieder fit zu sein. Nach intensiven Recherchen mit Fokus auf natürliche Materialien und Verträglichkeit hoher Luftfeuchtigkeit fiel unsere Bettenwahl auf das Schweizer Hüsler Nest System. Eine Talalay Naturlatex Matratze mit Baumwollhülle und weicher Auflage, alles in der richtigen Freiform zugeschnitten, sollen für den kompromisslosen gesunden und erholsamen Schlaf garantieren.

Wir sind ja schon so gespannt auf unsere erste Nacht im FRAME. Müde genug für einen tiefen Schlaf sind wir ja schon, nach unserer langen Anreise und den vielen Eindrücken während der Übergabe unseres «neuen Babys».


1. Fahrt raus in die Natur inkl. offroad

DER TAG DANACH


Um der Grossstadt zu entkommen fuhren wir also noch einige Kilometer, um ausserhalb von Köln unser erstes Nachtlager zu beziehen. Artgerecht für unser Unimog ging es die letzten Meter über unbefestigte Piste, um einen idealen, ruhigen und einigermassen ebenen Standplatz für die Nacht zu erreichen. Hier stehen wir nun also, traumhaft schön und traumhaft alleine. Licht weg, gute Nacht!


Der Tag danach: Good morning sunshine!

Wie kalt die Nacht gewesen sein muss, sehen wir am nächsten Tag an der Eisbildung auf unseren Solarzellen und der Fahrzeughaube. Gemäss Wetter App waren es gute minus fünf Grad. Wer hätte das gedacht. Wir wachen mit den ersten Sonnenstrahlen auf und sind kuschelig warm in unserem Hüsler Nest. Die leichten Kamelhaardecken haben sicher das ihrige dazu beigetragen, dass wir weder schwitzen noch frieren mussten. Selbstverständlich sei auch der Webasto Wasserheizung Dank für ein wunderbares Raumklima. Haben wir so gut geschlafen wie zu hause? Nein! Es war viel besser, denn ohne Elektro- oder Lichtverschmutzung und in einem super bequemen Bett haben wir einfach gar nichts vermisst. Das Abenteuer kann beginnen!


FRAME in den ersten Sonnenstrahlen
Mit toller Weitsicht über die Hügel von Eckenhagen
Einsamer Stellplatz an der Thüringer Warte
Auch der erste Schneefall kann der Gemütlichkeit nichts anhaben

 

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