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3.3 Willkommen in Schottland!

Aktualisiert: 11. Juli 2023

Die ultimative Schottland Erfahrung

Teil 3


Die Ankunft in Schottland war anstrengend. Wir wollten es aber heute unbedingt bis zum Mortonhall Campingplatz schaffen, um morgen Edinburgh zu entdecken. Auch Wäschewaschen ist wieder einmal angesagt, daher die Wahl eines offiziellen Campingplatzes. Es ist Freitagabend und an der Rezeption in Mortonhall herrscht hektisches Treiben. Wir werden nach unserer Reservation gefragt, die wir leider nicht haben. Online waren alle Camper Kategorien verfügbar, also dachten wir, dass wir diesbezüglich keine Probleme bekommen würden. Weit gefehlt. Wir lassen uns von der Schottin belehren, wie wir das in Zukunft handhaben müssten. Natürlich geloben wir Besserung und entschuldigen uns höflich. Als Hoteliers wissen wir ja, wie das funktioniert. Und siehe da, die gute Frau am Empfang hat plötzlich eine Lösung. Sie öffnet für uns den Nordteil. Der sei aber weit weg von den Duschen und Toiletten etc. und habe keinen Strom. Ja das passt doch perfekt für uns, das brauchen wir ja alles nicht. Wir thronen nun als einzige Gäste auf der leicht erhöht gelegenen Nordwiese, geniessen unsere Ruhe und haben obendrein noch mindestens eine Stunde länger Sonne als die Weissware unter uns. Besser hätte das für uns wohl kaum ausgehen können ;-))


Auf dem Mortonhall Camping in Edinburgh und trotzdem alleine auf weiter Flur...



Bauernmarkt unterhalb des Edinburgh Castle

Die Bushaltestelle liegt in unmittelbarer Nähe von unserem wunderschön gelegenen Campingplatz. Wir sind zirka sechs Kilometer südlich vom Stadtzentrum und kommen mit der Linie 11 bis an die Altstadt. Samstag ist Markttag in Edinburgh, da fahren wir doch gleich mal hin. Wer glaubt man bringe sein Cash auf einem solchen Markt leicht los, der täuscht sich hier in Edinburgh. Ohne Karte geht da nichts mehr. Selbst die Strassenmusikanten, ja sogar die Bettler arbeiten hier mehrheitlich mit Kartenzahlung. Traurig zu sehen, was hier diesbezüglich abgeht. Diese Abhängigkeit auf ein gut funktionierendes System ist ja offensichtlich, die Kontrolle über die Ausgaben und ihre Konsequenzen ist hingegen den meisten nicht wirklich bewusst.


Ohne Kreditkarte schon bald am Hungern: Cash ist nicht mehr King!



Wir schlendern hinauf zum Schloss und lassen uns vorerst mal im Touristenstrom treiben. Es hat auffallend viele Inder, aber auch Spanisch hört man oft. Es macht Freude zu sehen, dass der internationale Tourismus wieder floriert. Das war letzten Winter in Marokko noch keinesfalls so. Strassenkünstler und Dudelsackspieler kämpfen um die strategisch guten Plätze und immer mal wieder trifft man einen Selbstdarsteller oder Touristenführer, der versucht seine Zuhörerschaft lauthals zu begeistern.


Die Stadt pulsiert. Und Musiziert



Die zahllosen Whisky Shops fallen genau so auf, wie die Souvenirläden und die Cashmere Boutiquen. In Schottland kommst du wohl um Schaf, Bier und Whisky einfach nicht herum. Und darum tun wir, was wir nun tun müssen: Wir gehen ins beste Restaurant von Edinburgh und genehmigen uns ein schottisches Bier und eine Portion Haggis an Whisky Sauce. Ein zusätzlich bereitgestellter Hochland Malt Whisky zum runterspühlen geniessen wir dann aber lieber als Digestif. Haggis kennen wir aus unserem Hotelleben, da die Schotten auf der ganzen Welt einmal im Jahr ihr Burns Dinner zelebrieren. Solche Burns Nights hielten wir oft in unseren Hotels ab. Da gibt es fast ausnahmslos diesen Schafsleber, -Herz und -Lungen-Hack Klassiker auf Kartoffel- und Rübenpüree. Und wer jetzt die Nase rümpft, dem sei gesagt: Das schmeckt super lecker, wenn es denn auch gut gemacht ist. Im Arcade Haggis & Whisky House ist der Name Programm und wir sind nicht nur überrascht, sondern geradezu hell begeistert. Ein Leben lang haben wir in unseren Hotels also dieses Haggis Rezept nachgekocht und endlich bekommen wir ein Original mit authentischem Ambiente. Haggis in Peking war gut, weil die Sehnsucht von «zuhause» mitschwingt. Haggis im Herzen von Edinburgh ist aber nochmals eine ganz andere Liga...



links: Dudelsackspieler an jeder Ecke

mitte: Arcade Haggis & Whisky House, ein Restaurant für die Favoritenliste

rechts: So sieht das Original aus: Haggis mit schottischem Bier und Hochland Whisky


Gut gestärkt bewegen wir uns auch am Nachmittag zwischen Edinburgh Castle and Waverly und saugen die schottische Stimmung in uns auf. Schon fast bin ich der Versuchung, mir einen Schottenrock anzuschaffen, erlegen. Nur ein einziger Whisky war vermutlich hierzu doch noch nicht genug des Leichtsinns. Wer weiss, vielleicht später. Eine vollumfängliche Whisky Degustation steht ja auch noch auf unserer Schottland To-Do Liste.

Impressionen Edinburgh zwischen Altstadt und Waverly


Bronze Statue "Royal Scots Greys". Im Hintergrund Schloss von Edinburgh


Nach so vielen Eindrücken in Edinburgh schalten wir am Abend zwei Stufen runter und geniessen besinnliche Stunden vor Waschmaschine und Tumbler. Beim Schwingen und Klopfen der Maschinen verfallen wir fast schon in Trance und glauben uns irgendwo im afrikanischen Busch zwischen Trommeln und wilden Löwen. Ja der Tag war anstrengend und kurz vor der Sonnenwende sind sie hier im hohen Norden auch super lang. Es dunkelt erst nach 23Uhr ein und ist schon kurz nach 3Uhr morgens wieder hell. Herrje!


Nach diesem gelungenen Auftakt in der schottischen Hauptstadt fahren wir heute wieder hinaus in die Natur nach Dollar Glen. Die Strecken werden ab nun kürzer, da wir uns doch so einiges an Sehenswürdigkeiten einverleiben wollen. Auf der heutigen Route befinden sich gleich zwei, das Falkirk Wheel und die Kelpies Pferdestatuen. Wir hoffen, dass wir diese beiden Touristenattraktionen trotz ihrer überdimensionalen Grösse einigermassen gut vor die Linse bekommen.



Das Falkirk Wheel sieht aus wie eine Kanalbrücke, ist aber in Tat und Wahrheit eine der grössten Schleusen in ganz Grossbritannien. In seiner Art als rotierender Bootslift ist er einzigartig in der Welt! Hier können gleich mehrere Schiffe auf einmal in wenigen Minuten in einer riesigen Schaufel die 24 Meter Höhendifferenz überwinden, um so vom Forth & Clyde Kanal in den Union Kanal zu gelangen. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst und auch der Architektur.


Nur wenige Kilometer weiter nördlich erreichen wir den Helix Park. Auch hier wird uns in nun schon gewohnter Manier die Kreditkarten Abbuchungsmaschine via Selfie-Stick auf Fahrerkabinenhöhe gereicht, um schon mal fünf Pfund sozusagen als Willkommensgeschenk abzubuchen. Auf der einen Seite freut es uns ja, dass wir in der Schweiz wohl nicht mehr als Hochpreisinsel gelten können. Auf der anderen Seite sind wir natürlich auch ein wenig verblüfft, wie schamlos hier die Touristen geschröpft werden. Dafür werden wir persönlich von einem Parkwächter eskortiert, um einen geeigneten Platz für unser XXL Fahrzeug auszumachen. Service also inklusive, somit passt es ja.

Die Kelpies sind gemäss der schottischen Sage graue, weisse oder schwarze sich in der Erscheinung verändernde Wesen, die aus dem Wasser steigen und in der Gestalt eines behuften Menschen sich die Erdlinge vom Land holen. Erliegst du ihrer Versuchung, bringen sie dich in die Abgründe ihrer Gewässer. Es wird uns nun klar, warum man in Schottland diese Sagen unbedingt verstehen muss. Spätestens beim Loch Ness – das ja auch noch auf dem Programm steht – werden wir doch unser erstes lebendes Kelpie sehen ;-)



Ob Sinn oder Unsinn, die Kelpie Saga soll Kinder von gefährlichen Gewässern und die jungen Mädchen von fremden Männern warnen. Da sind mir die Nixen-Storries in unseren Breitengraden aber schon noch eine Spur sympathischer.


Naturbelassen wild und schön: Dollar Glen

Es wird Zeit unser Tagesziel anzupeilen. Der Wald von Dollar Glen erscheint zwar auf der Karte kaum grösser als einen Quadratkilometer, soll aber als Urbestand des hiesigen Waldes gelten und somit etwas Einmaliges sein. Auf der Fahrt dahin fangen wir bereits an, die Einmaligkeit zu verstehen, denn es wird hier gerodet was das Zeugs hält. Während wir in der Schweiz gerade die Klima-Initiative angenommen haben, sehen wir hier, wie der Raubbau an der Natur praktiziert wird. Das ist wohl die reale Welt. Man fragt sich natürlich, was wir in naher Zukunft überhaupt noch schützen wollen. Den Flecken von Dollar Glen natürlich. Der ist tatsächlich noch sehr naturbelassen und einen Abstecher wert. Flechten und Farne gibt es hier zwischen den alten Bäumen in rauen Mengen. Aber auch Schottlands Nationalblume, die Distel, sieht man häufig. Nach einer durchregneten Nacht - unser erster Regen überhaupt, seit wir vor fast vier Wochen gestartet sind – durchstreifen wir diesen klitzekleinen Urwald mitten im Rodungsgebiet und fühlen uns schon fast wie im Dschungel.



oben links: Die Burg von Dollar Glen thront über seinem Dschungel

oben rechts: Ein richtiger Glückspilz, voll von Münzen

unten: Farne, Flechten und Disteln beherrschen den Wald von Dollar Glen





Nachtquartier direkt am Wasser in Tayport

Tags darauf, Dollar Glen hat unsere Dollars bekommen, wir fahren weiter. Dundee steht auf dem Plan. Genau gesagt ist es das V&A Museum in Dundee, dass das Fotografenherz von Brigitte höher schlagen lässt. Wir positionieren uns hierzu auf der von Dundee gegenüberliegenden Flussseite in Tayport. Ein super Standplatz mit Blick auf die Einmündung der Tay in die Nordsee. Bei Ebbe zieht sich das Wasser mehrere hundert Meter zurück und lädt uns förmlich ein, endlich einmal unsere Gummistiefel einzuweihen. Was wir in Holland noch nicht erlebten, holen wir im Watt von Dundee nach. Auch hier wird gerodet als gäbe es kein Morgen mehr. Auf Google Earth sieht man noch einen grossen Waldbestand südöstlich von Tayport. Bei unserer üblichen Standort Erkundungstour werden wir aber mit der neuen Realität konfrontiert. Die Waldbestände sind weg, was geblieben ist, ist ein Ort der Verwüstung, ein Kriegsschauplatz zweier ungleicher Gegner, dem geldgierigen Menschen und der Natur. Der Auslöser dieses Desaster sei wohl ein starker Sturm gewesen, so wird berichtet. Heute erscheint die Rodungsfläche aber um ein vielfaches grösser als das vom Sturm betroffenen Gebiet an der Küste.



oben links: Das Meer spült Panzersperren vom 2. Weltkrieg frei

oben rechts: Der "Sturm" fegt die Strandregion von alten Bäumen "frei" ;-(

unten: Zeitvertreib am Hafen und im Watt von Tayport




oben: besinnlicher Abend am Watt

unten: die berühmte Tay Bridge verbindet Tayport mit Dundee



Wir tun uns schwer unseren fantastischen Standplatz zu verlassen, um endlich nach Dundee ins Museum zu radeln. Heute ist es schliesslich soweit. Es wird 26°C geben und wie immer ein bisschen Wind. Unser Platz in Tayport ist nicht nur wunderschön, sondern auch ideal gelegen, um Dundee mit dem Fahrrad zu entdecken. Die ersten vier Kilometer führen auf Wald- und Fahrradwegen bis zur Tay-Brücke. Die nächsten 3.2 Kilometer dann auf dem eigenen voll abgetrennten Rad- und Fussgängerweg über die Brücke nach Dundee. Dass die Tay Bridge vor über hundertvierzig Jahren einmal bei einem Wintersturm für sämtliche Zugpassagiere zur Todesfalle wurde, daran wollen wir beim Überqueren nun gerade nicht denken. Das spektakuläre Tay Bridge Desaster ist aber in die schottische Geschichte eingegangen.


V&A Design Museumsfassade Dundee

Das V&A Museum ist Schottlands Design Museum. Neben dem ikonischen Gebäude interessiert uns natürlich auch brennend, wie denn das Schottenmuster es schaffte, die Welt zu erobern. Unter dem Titel «Tartan» läuft die umfassende Ausstellung rund um das Schottenkaro. Ich mochte dieses Muster bis anhin eigentlich nie. Burberry, die sich ihr eigenes Muster aus der Schotten-Wunderkiste kreierten, war mir daher eher ein Graus. Heute sehe ich das nun ganz anders. Unsere Reise nach Schottland und das daraus resultierende Verständnis der Geschichte, Traditionen bis hin zur übersinnlichen Kraft dieses unvergleichlichen Musters haben mir wohl die Augen geöffnet. Es ist fast nicht zu glauben, wie und wo das Schottenmuster überall Einfluss genommen hat. Es ist auf jeden Fall keineswegs nur ein Mode Accessoire, sondern selbst aus Architektur und Kunst nicht mehr wegzudenken. Interessanterweise unterliegt das Schottenmuster keinem fixen Muster. Es gibt zwar Regeln, die aber dauernd und immer wieder gebrochen werden, somit sind neuen Kreationen eigentlich keine Grenzen gesetzt.


Was die Ausstellung aber trotz aller Ausführlichkeit nicht beantworten konnte/wollte ist die Frage, ob die Schotten nun wirklich nichts unter ihrem Kilt tragen ;-). Das Mysterium soll am Leben bleiben…



oben: Das Gebäude so faszinierend, wie die Ausstellungen

unten: Impressionen der Tartan (Schottenmuster) Ausstellung





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